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Filmkommentar: Cloverfield

"It´s the end of the world. As we know it."

 Wie auch in J.J. Abrams Monsterspektakel Cloverfield alles beim Alten bleibt

Ein Kurzkommentar von Matthias Noe


Man muss nach dem Erleben eines Filmes wie Cloverfield einfach feststellen, dass die allermeisten Kritiker sich sinnfreien Monsterspektakeln gegenüber in vergangener Zeit wohl zu gutmütig zeigten. Wie sehr J.J. Abrams neuster Produzentenstreich darauf spekuliert, mit solch einer Milde bewertet zu werden, merkt man in jeder Sekunde dieses trotz Handkamera und Egoperspektive aalglatten Hollywooderzeugnisses. Denn tatsächlich bekommt man zwar auch dank der Inszenierungsweise spannende Unterhaltung fürs Geld geboten und ein paar tolle Momente gibt Cloverfield somit sicher her (das Ableben diverser Hauptcharaktere ist teilweise hoch schockierend inszeniert), doch schwebt darüber einfach die Feststellung: Wäre die Erzählweise nicht so unüblich für einen Monsterfilm (über einige Handkamera-Andeutungen in Emmerichs Godzilla sei einmal hinweggesehen), man wäre schlicht verärgert über diesen Streifen, der seinem Genre neben sinnleerem Ausschlachten der 9/11-Ikonographie (dazu lieber Spielbergs Krieg der Welten ansehen) einfach gar nichts Neues abgewinnen kann, ja geradezu prototypisch für seine Gattung ist.


Das beginnt schon bei den Charakteren. Diese sind dem Zuschauer nach knapp 20-minütiger Einführung (ein bei einer Lauflänge von 73 Minuten beachtlicher Anteil) zwar nicht mehr völlig schnuppe, doch wenn es einen aus ihren Reihen dann halt mal erwischt, ist man kurz erschüttert, macht sich gleich darauf jedoch (wie das Drehbuch) keine großen Gedanken mehr um ihn. Auch die Handlung ist im Prinzip nur ein Konstrukt, das ohne das nette Konzept des Films zusammenfiele wie die unzähligen Wolkenkratzer darin: Geburtstagsfeier in schickem Yuppie-Appartment wird von einem Freund des Geburtstagskindes mitgefilmft und von einem Monster, das New York zertrümmert, unversehens rüde unterbrochen, Gäste fliehen durch New York, es wird weitergefilmt – und nach und nach dann eben auch gestorben. Punkt. Insofern ist nun wirklich endgültig geklärt, ob J.J. Abrams sich interessante Rahmenhandlungen ausdenken kann. Er kann es nicht. Dafür kann er entweder unzählige seiner simplen Konstrukte in ein kunstfertiges Geflecht aus diversen Genre-Versatzstücken einweben, das in Form der Serie Lost dann wieder unterhaltsam und auf seine Art gewitzt ist, oder ein Einzelnes dieser Handlungsgerippe mit einer netten Grundidee (Cloverfield) optisch aufpeppen, was derweil freilich weniger gewitzt daherkommt. Wie man einfache, nicht gerade das Rad neu erfindende Ideen veredelt, das weiß Abrams allerdings, und damit passt er wohl ganz gut ins heutige gewinnorientiert Mainstreamkino aus Übersee.


Und das ist in seinen Schauwerten (allen voran die gelungenen, aber keinesfalls weltbewegenden visuellen Effekte) dann auch, wie gesagt, sehr unterhaltsam und erfolgreich und wohl auch den Kinobesuch wert (zumindest den preisgünstigeren unter der Woche), macht jedoch auch klar, dass Hollywood sich erneut davor drückt, im Horror- und Thrillerbereich wirklich neue Konzepte auszurufen. Das ist die Krux dieses Filmes, der statt einfallsreicher Nuancen nur eine nette technische Spielerei feilbietet und unterm Strich somit kaum mehr als die Erkenntnis, wie eine hochbudgetierte Mischung aus Blair Witch Project und Godzilla nun also ganz konkret aussehen mag. Als Computerspiel dürfte eine solche Skizze vielleicht noch funktionieren – und woher wenn nicht aus diesem Medium stammt wohl die Grundidee des Films zum unmittelbaren Erleben einer Katastrophe? – filmgeworden jedoch zerplatzt sie schneller als eine der unglückseligen Hauptfiguren in der mitte des Films. Denn sich eine solche Mixtur einfach nur mal im Geiste auszumalen, dafür hätte die Fantasie der meisten Kinogänger wohl ausgereicht und dadurch verliert Cloverfield leider auch – und das sei fernab jeder Milde das halbwegs vernichtende Urteil – seine Existenzberechtigung. (12.02.2008) 


Letzte Änderung: 26.07.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.