22.08.2004
Die tricktechnisch fulminante Rückkehr der Mumie (2001) wurde musikalisch von Alan Silvestri betreut. Für den Vorgänger des gigantischen Slapstick-Spektakels – The Mummy – schrieb Jerry Goldsmith 1999 seine letzte große Abenteuermusik. Der Altmeister hat die Arbeit an der in nur drei Wochen fertig gestellten Partitur oft als eine der unangenehmsten Erfahrungen seiner Karriere beschrieben, weshalb seine Verlautbarung, für etwaige Fortsetzungen des Films nicht mehr zur Verfügung zu stehen, niemanden überraschte ... Alan Silvestri schlägt sich in der Nachfolge Goldsmiths insgesamt erstaunlich gut, wenngleich The Mummy Returns nicht ganz an das handwerkliche Raffinement und den Schmelz der Vorgänger-Musik heranreicht. Der Komponist bedient sich, wie es die Klischees verlangen, ganz ähnlicher musikalischer Elemente wie Goldsmith: Bewaffnet mit großem Sinfonieorchester, einem üppig dimensionierten Männerchor und zusätzlichem exotischen Schlagwerk kreiert Silvestri eine kraftvolle, in Teilen furiose Untermalung, die dem Zuhörer kaum Zeit zum Atemholen lässt. Die Mischung westlicher Sinfonik und Versatzstücken arabischer Folklore erweist sich insgesamt als wohldosiert und tadellos orchestriert, was schon der treibende Eröffnungstitel „The Legend of the Scorpion King" eindrucksvoll belegt. Im ersten Drittel des mit 73 Minuten großzügig bestückten Soundtrack-Albums kommt Silvestris Mumien-Musik dabei fast ohne thematisches Grundgerüst aus: Lediglich ein Statement des späteren Hauptthemas hält hier, in einem lyrischen Arrangement für Oboe, die effektvoll ausstaffierten Spannungs- und Actiontracks zusammen („Just an Oasis"). Das farbenfrohe arabische Klangkolorit manifestiert sich vor allem im ausgiebigen Einsatz des Schlagwerks und den obligatorischen Terz-Intervallen der Holzbläser. Diese verleihen den in letzter Zeit etwas berechenbar gewordenen silvestrischen Action-Schemata neuen Pepp. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass sich Silvestri für das Hauptthema seiner Partitur recht ausgiebig bei John Debneys Cutthroat Island bedient hat. Im knapp 8-minütigen „My First Bud Ride" weiß der Komponist dieses Hauptthema jedoch so geschickt zu einer heroischen Trompeten-Fanfare umzuformen, dass man ihm dieses Plagiat nachsehen kann. In leicht abgewandelter Form erklingt die Signatur außerdem als klangschönes Love Theme („The Mushy Part"). Ansonsten sind lyrische Passagen – insbesondere in der zweiten Albumhälfte – leider zu rar gesät. Das Unterhaltungspotenzial energiegeladener Actioncues wie „Pygmy Attack" hätte noch bei weitem höher ausfallen können, wenn die schönen, jedoch viel zu kurzen instrumentalen Zwischenspiele von Violine, Harfe und Zither auf der CD mehr Raum eingenommen hätten. Die musikalische Rückkehr der Mumie ist letztlich denjenigen Filmmusikhörern zu empfehlen, die nach einer kurzweiligen, handwerklich überzeugenden Actionpartitur mit ägyptischem Flair suchen und dabei primär auf die jüngere filmmusikalische Vergangenheit schielen. Denn leider vermögen es unter den heutigen Filmkomponisten nur noch wenige, wie Alan Silvestri eine rein orchestrale Filmpartitur epischen Charakters ohne nennenswerte Schwächen zu produzieren. In Anbetracht dessen mag man dem Komponisten selbst die vorhandenen Eklektizismen nur zu gern verzeihen.
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