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Rezensionen - Fly II, The
 


Christopher Young
-

Dass David Cronenbergs Die Fliege eine Fortsetzung erfahren würde, war nur eine Frage der Zeit. Doch erst 1989 nahmen sich Produzent Mel Brooks und Regisseur Chris Walas erneut des Stoffes an und schufen Die Fliege 2. Nach Erscheinen verrissen und von den Fans des Vorgängers weitgehend verschmäht, konnte sich der Film allerdings bis heute im Gespräch halten, wenn auch vornehmlich als unzensierte „ab 18“-Version. Ursache dafür dürfte sein, dass der Film sich zwar als Horrorfilm geriert, es daneben aber versteht, die Tragödie rund um den jungen Martin Brundle mit ungewöhnlicher Empathie zu erzählen. So ist Martin nicht nur mit extraordinären Fähigkeiten geschlagen, sondern auch in der sozial wenig glücklichen Lage, keine echten Freundschaften schließen zu können. Er ist letztlich dazu verdammt, rund um die Uhr beobachtet zu werden, wie der elende  Primat eines Tierversuchs. 

Die Wissenschaftler interessieren sich in keiner Weise für die Bedürfnisse und Gefühle des Jungen; er wird – da er die „Fliegengene“ in sich trägt – ausschließlich als Experiment betrachtet (interessanterweise sagt Mr. Bartok zu Begin genau das Gegenteil: „Und bitte [..] betrachten sie das Kind nicht als Versuchskaninchen“).Was dem Film ebenfalls zu gute kommt, sind üppige Splattereffekte, die ohne Computeranimationen auskommen, und natürlich Christopher Youngs Filmmusik, auf die im Folgenden näher eingegangen werden soll. 

Youngs Score überrascht  angesichts der schwachen Filmvorlage ausnehmend positiv. Dabei kann man  auch bei The Fly II nicht abstreiten, dass ein prominentes Potpourri aus genreverwandten Filmmusiken (u.a. Aliens und Predator) als Temp-Track fungierte. Wie in den meisten Fällen hangelt sich Young brav an deren musikalischer Substanz entlang. Im Gegensatz zu vielen späteren Scorings dieser Art, übernimmt er im Falle von Die Fliege 2 allerdings eher die Kernidee der jeweiligen Musik, und übersetzt diese in seine eigene Tonsprache. Young arbeitet innerhalb seiner Komposition mit vier musikalischen Ideen, aus welchen sich drei tonale   Themen herausbilden:


1) Ein groß angelegtes Hauptthema, welches von Young auch „Tragödienthema“ genannt wird ( „accelerated Brundle disease theme“). Diese musikalische Idee skizziert Martins Schicksal, da er durch die Fliegengene zu schnell heranreift und später zur Fliege mutiert.


2) Dieses Thema begleitet Martins Kindheit („childhood theme“). Es erklingt zuerst, als der Junge mit seinem Helm neugierig die bartoksche Forschungseinrichtung erkundet. 


3) Aus diesem zweiten Thema leitet Young im Filmverlauf eine weitere (untergeordnete) musikalische Idee ab („father’s theme“). Wir hören sie, wenn Jeff Goldblum aus einer Videoaufzeichnung zu seinem Sohn spricht.


4) Das dritte musikalische Thema widmet sich romantischen Gefilden, da sich Martin mit der  attraktiven Beth anfreundet und mit ihr gegen die Wissenschaftler anzukämpfen beginnt.


Der Rest ist Routine: Das Suspencescoring bewegt sich irgendwo zwischen den gedehnten Klangflächen Ligetis und dem Effektschwall eines Penderecki. Vom Orchester in weiter Lage ausgeführte Cluster, aleatorische Bläsereffekte, Vierteltongekreise und Triller in den Streichern, sowie das schon damals in der Kunstmusik mehr als ausgetretene B-A-C-H kommen großflächig zum Einsatz. Ohne Frage steht hier der Effekt im Vordergrund, was der filmische Kontext und der Gebrauchsmusikcharakter durchaus rechtfertigt.

Alles in allem ist The Fly II eine wirkungsorientierte Musik, die sich innerhalb der gängigen, mittlerweile mehr als ausgetretenen, genretypischen Vertonungsmuster bewegt. Im Hinblick darauf, dass Young damals diese Klischees selbst mitbegründet hat, kann man der Musik, im Kontext ihrer Zeit gesehen, daraus aber kaum einen Vorwurf machen, zumal diese, gerade in den Instrumentationen, auf hohem Niveau verarbeitet werden. Das bedeutet für The Fly II letztendlich gute 4 Punkte, was auch dem sehr guten, flüssigen Schnitt des Varèse Albums zu verdanken ist. Dieses präsentiert sich wie gewohnt schlicht, mit einem einfachen Faltcover und ungewöhnlich reduziertem Design, sodass der Silberling auch optisch aus der breiten Masse von Soundtrackalben heraussticht.

Fazit: Youngs Beitrag kann uneingeschränkt empfohlen werden, während der Film gewöhnungsbedürftig ist, und erst nach mehrfachen Anschauen zumindest im Ansatz interessante Aspekte preisgibt.

 

Oliver M. Strate, 


Jan Selzer, 01.09.2009
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4 von 6 Punkten


I. Die Alben

-OST-

Spielzeit:
5 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
3 von 6 Punkten
Begleittexte:
3 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 12.02.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.