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Rezensionen - Godzilla
 


David Arnold
-

Godzilla aus dem Jahr 1998 markiert den Versuch von Regisseur Roland Emmerich, mit aller Gewalt an seinen immensen Erfolg Independence Day anzuknüpfen. Die Promotion des Films hat riesige Geldbeträge verschlungen, unter anderem wurden in New York City Wolkenkratzer-Fassaden mit Godzilla-Werbung zugehängt. Eine positive Wirkung hatte es nicht: Das von der Werbung abgestoßene Publikum blieb aus und der Film erfüllte keine der hochgeschraubten Erwartungen. Schuld daran ist auch das Fehlen eines überzeugenden sozialen Gefüges. Die Liebesgeschichte ist eindimensional und kann das Publikum nicht wirklich packen, auch andere Figuren sind nicht sorgfältig genug ausgearbeitet und stehen in keiner echten (emotionalen) Verbindung zum jeweiligen Gegenüber.

Bleibt nur noch Godzilla selbst, eine tropische Echse (Waran), die durch französische Atombomben-Tests zum überdimensionalen Ungeheuer mutiert ist. Die filmische Action ist – dank dieses Hauptdarstellers – gelungen und überzeugt durchgängig (allerdings sehen die teuren CGI-Animationen billig aus, reichen nicht annähernd an die liebevollen ID4-Modellbauten heran). Und so legt auch Komponist David Arnold seinen Vertonungsschwerpunkt auf die Echse und liefert mit seinem Score erneut eine überdurchschnittliche Arbeit ab, die Freunde von ID4 und Stargate begeistern dürfte. Thematisch arbeitet Arnold mit dem Element des Unbekannten und Versteckten. In weiten Teilen des Films weiß niemand, mit wem man es zu tun hat. Die Echse hält sich versteckt und stellt ihre Jäger wiederholt vor Rätsel.

Der erste Cue („Opening Titles") kann mit Track 3 aus Independence Day verglichen werden. Beide Stücke kündigen etwas an, das man noch nie gesehen oder erlebt hat. Auch die Struktur ist nahezu identisch, der Unterschied ist dagegen ausschließlich im Thema und im verwendeten Rhythmus zu suchen. In den „Opening Titles" stößt man zunächst auf ein Stampfen, das eine unheimliche Atmosphäre erzeugt. Im weiteren Verlauf wird durch den aufbrausenden Chor und allerlei orchestralen Tumult eine effektvolle Stimmungsentladung geschaffen.

 

Arnold hat mit den „Opening Titles" einen guten Einstieg gefunden, der ID4-Liebhaber zuversichtlich nach vorne schauen lässt. „Looking for Clues" beginnt mit einem mysteriösen Glockenspiel-Leitmotiv, welches sich durch den ganzen Score zieht und die Riesenechse charakterisiert. In Track 10 hören wir dieses gelungene Leitmotiv auch von einem Xylophon gespielt. Auffällig an der gesamten Arbeit ist Arnolds Hang zur polythematischen Konzeption. „Fishing with Gojira" verknüpft in dieser Hinsicht Neues mit schon aus den vorangehenden Tracks Bekanntem.

Jeder, der den Track „Base Attack" aus ID4 mag, ist mit „No Need to Panic" bestens bedient: Da gibt es prächtige Hörner, die einmal nicht dissonant, sondern geschmeidig und tonal eingesetzt werden, und vom Arnold-typischen Synthie-Bass untermalt werden, wobei sich hin und wieder das Glockenspiel-Leitmotiv hervortraut und ein völliges Entspannen des Publikums verhindert. Intelligent ist das feierlich intonierte Horn-Thema, das aber durch gelegentliche Einschübe des Leitmotivs in der Wirkung subversiv beschnitten wird. Die Tracks fünf, sechs und sieben („The Plan", „The Bait", „Rampage and Pursuit") lassen sich in einer Linie besprechen: Abermals beschleicht den Hörer das Gefühl des Unbekannten, erzeugt durch Streicher und zeitweise fragende Holzbläser, gefolgt von musikalischer Erleichterung durch ein prunkvolles Orchester-Tutti. Ähnliches lässt sich auch in „The Bait" beobachten. „Rampage and Pursuit" ist hingegen ein verspielter Actioner, mit schmissigen Blech-Trillern, wulstigem Chorgesang und Tempi, die einem Feuersturm gleichkommen. Interessant auch der markante Rhythmus, der sich – mit etwas Phantasie – so anhört, als würde jemand auf der Echse reiten. Ein echter Genuss!

 

Ruhigere Momente finden sich in „Top Secret Videotape" und „Nick Off the Project". Die Sehnsucht der weiblichen Hauptfigur nach beruflichem Erfolg und die gescheiterte Liebesbeziehung werden hier musikalisch routiniert umgesetzt. Besonderes Augenmerk sollte man auf „Madison Square Garden" und „Taxi Driver" legen, harte Action-Musiken mit überblasenen Hörnern, treibendem musikalischen Chaos und fanfarenhaften Posaunen, die an Goldenthal erinnern. Arnold läuft hier zur Hochform auf und zeigt beispielhaft, wie man fetzige Action komponiert. Mit „Taxi Driver" hat der Komponist einen Höhepunkt des Scores geschaffen, der gleichzeitig an die Action-Passagen von Independence Day heranreicht. Ähnlich rasant geht es im vorletzten Track zu, „Au Revoir": Ausgedehnte Choreinlagen bilden gegen Ende dieses Tracks den Übergang zum schönen „Closing Theme". Hier dominieren zum Abschluss der Promo-CD harmonisches Streicherspiel und ein gelegentliches Orchesteraufbrausen. In den letzten Sekunden kündigt die Musik jedoch durch einen dissonanten Ausreißer ein Sequel an, ist doch ein Ei Godzillas übersehen worden ...

Fazit: Dass der Film nicht den erwarteten Erfolg hatte (sondern sogar gefloppt ist), liegt mit Sicherheit nicht an der gelungenen musikalischen Ausstattung. Godzilla ist haarscharf an der Möglichkeit eines Riesenerfolges vorbeigeschlittert: Emmerich hat ein paar kleinere Fehler bei der Ausarbeitung von Charakteren und der Gruppendynamik gemacht, was sich jedoch in der Wirkung fatal potenziert hat (besonders nervig: Matthew Broderick und Maria Pitillo als Liebespaar). Interessantes Detail am Rande: Der Regisseur hat mit Godzilla auch auf die sinnlosen und für die Natur verheerenden Atomtests im französischen Muroroa-Atoll aufmerksam gemacht; bei diesen Tests sind bis heute Tausende von Menschen schwer geschädigt worden.


Hinzugefügt Dezember 2007: Neben einer Veröffentlichung als promotional release hat sich La-La Land Records der Musik im Jahr 2007  angenommen, und eine Doppel-CD herausgebracht mit über 100 Minuten Spielzeit und vier Bonustracks.

Oliver M. Strate, 10.06.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
3 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
1 von 6 Punkten

Unterhaltung:
4 von 6 Punkten
Anspruch:
3 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 14.08.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.