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Rezensionen - Logan's Run
 


Jerry Goldsmith
-

In Logan's Run sehen wir eine von der natürlichen Umgebung separierte Lebenswelt. Riesige, von der Außenwelt isolierte Kuppeln, die einen künstlichen Lebensraum bieten, bilden den Schauplatz für weite Teile der Filmhandlung:

Im Jahre 2274 befinden sich die Überlebenden einer Art von zweitem Holocaust in einer von Computern kontrollierten, künstlichen Hemisphäre, die eine riesige und völlig autarke Stadt beherbergt. In dieser räumlich stark eingeschränkten Umgebung ist Überbevölkerung ein drängendes, ja lebensbedrohendes Problem. Doch der Ausweg aus dieser Situation könnte perfider nicht sein: Alle Bewohner der Stadt werden beim Erreichen des 30. Lebensjahres gezwungen, an einer Art Initiationszeremonie teilzunehmen, dem sogenannten „Carrousel". Diese Zeremonie hat bislang noch kein Mensch überlebt, denn tatsächlich verbirgt sich dahinter nichts anderes als eine gigantische Tötungsmaschinerie. Wer  etwas von dem ungeheuerlichen Verbrechen ahnt und zu fliehen versucht, wird von einer den Computern bedingungslos ergebenen Polizeieinheit, den „Sandmen", gnadenlos verfolgt. Als Sandman Logan (Michael York) und seine Freundin Jennifer (Jenny Agutter) hinter den Schwindel kommen, werden sie prompt selbst zu Gejagten. Logan's Run beginnt – und endet erst, als es Jennifer und ihm schließlich gelingt, dem riesigen Gefängnis zu entkommen...

Als Logan's Run 1976 in die Kinos kam, war der Film hinsichtlich seiner Produktionswerte und Spezialeffekte „state of the art". Dementsprechend konnte das damals sicherlich überzeugend futuristische, auch heute noch ansehnliche Science-Fiction-Spektakel trotz überwiegend negativer Kritiken einige Erfolge feiern. Von der faden Love-Story einmal abgesehen, mag man der Handlung eine interessante Grundidee auch gar nicht absprechen: Leider bemüht sich der Film aber zu keiner Sekunde um seriöse Zivilisationskritik, sondern will primär unterhalten und verschenkt somit sein nicht unbeträchtliches Potenzial. Noch viel stärker dürfte der 1977 erschienene erste Teil der Star Wars-Saga dazu beigetragen haben, dass Logan's Run niemals Kultstatus erlangen konnte und man es heute kaum glauben kann, dass dieser Film tatsächlich nur ein Jahr vor der bildgewaltigen Science-Fiction-Mär von George Lucas produziert worden ist.

Jerry Goldsmiths Filmmusik muss hinter Star Wars keinesfalls zurückstehen: Entstanden in einer Zeit, in der fast jede weitere Filmpartitur des Komponisten auch eine Novität in dessen ?uvre darstellte, braucht sich Logan's Run nicht vor anderen, ungleich bekannteren Meisterleistungen Goldsmiths in diesem Genre, wie Planet of the Apes oder Star Trek: The Motion Picture, zu verstecken. Schon die Eröffnung des Scores („The Dome") fällt beeindruckend aus: Pulsierende Synthesizer-Klänge leiten über zu einer deutlich an Richard Strauss' „Also Sprach Zarathustra" angelehnten Ouvertüre. Diese fällt, obschon durchaus klangprächtig und imposant, ungewohnt formstreng und schnörkellos aus. Goldsmith stellt in ihr erstmals sein chromatisches 3-Ton-Motiv vor, das der gesamten Partitur als motivische und thematische Basis dient.

Dem Hörer erschließt sich mit Logan's Run eine faszinierend vielseitige und vielschichtige Komposition, die auf brillante Art und Weise mehrdimensional konzipiert ist. Wieder einmal erweist sich Goldsmiths musikdramaturgische Gestaltungsweise als (nicht nur) dem dazugehörigen Film klar überlegen. Der Komponist arbeitet auf zwei scheinbar völlig divergenten Klangebenen, wobei diese auch für sich allein betrachtet diverse Schattierungen aufweisen: Auf der einen Seite stehen die sehr kühlen, modernistischen und experimentellen Strukturen, die zur Untermalung der Szenen innerhalb der künstlichen Stadt dienen. Die frühen Szenen des Films sind vorwiegend durch abstrakte, teilweise verstörende Synthesizer-Klänge geprägt („Flameout", „Fatal Games"), denen man zwar ihr Alter deutlich anmerkt, die aber trotzdem aufgrund ihrer aufwendigen Gestaltung niemals völlig veraltet oder gar „billig" wirken. Ganz allmählich treten natürliche Instrumente hinzu („On the Circuit"), welche zunächst nur eine begleitende Funktion erfüllen, um dann sukzessive an Dynamik und Tempo zuzunehmen und bald in schroffen, nunmehr zusammenhängenden Action- und Suspensetiteln von erstaunlicher Intensität zu kulminieren. Eine wichtige Eigenheit dieser Musik ist (wie so oft bei diesem Komponisten) der erstaunliche Sinn für Klangökonomie: Goldsmith verwendet ein allein mit Streichern, Piano und Schlagwerk besetztes Ensemble und erreicht dennoch unmittelbar eindrückliche Resultate, indem er vor allem die Streicher enorm vielfältig einsetzt, faszinierende Kontraste im Register erzeugt (Violinen/Kontrabässe) und sich einmal mehr seines riesigen Fundus' avantgardistischer Stilmittel bedient (beispielsweise intensiven, stark dissonanten Glissandi und Tremoli in extremen Lagen). Höhepunkte dieser vorantreibenden und energetischen, zuweilen an Strawinsky erinnernden Sequenzen, welche die Flucht der Protagonisten aus der Stadt illustrieren, sind „A Little Muscle", „Intensive Care" und „The Key".

Zwar arbeitet der Komponist auch in den experimentellen Passagen der Partitur intensiv mit dem schon erwähnten 3-Noten-Motiv und mehreren wiederkehrenden Phrasen, aber erst im zweiten Teil des Tracks „The Key/Box" und dem darauffolgenden ?Ice Sculpture? stellt Goldsmith zwei neue, ebenfalls aus dem Basis-Motiv entwickelte thematische Gedanken vor: Zum einen die vom col legno der Celli und Kontrabässe unterlegte, einprägsame Streicherfigur zur Untermalung der ersten, noch etwas unsicheren Gehversuche von Logan und Jennifer in der Außenwelt, und zum anderen natürlich das bezaubernde Liebesthema der Partitur, eine warme, schmelzende Melodie mit beträchtlichen Ohrwurm-Qualitäten. Beide Themen enthalten, wie es in den 70er Jahren üblich war, auch Elemente des Pop (man höre dazu nur die dezent von Schlagzeug und E-Bass begleitete, finale Rezeption des ?Love Theme from Logan's Run? im letzten Track der CD).

Abseits der gänzlich Hollywood-typischen, romantischen Vertonungspraktiken bietet Logan's Run noch eine weitere ungeahnte Seite: Für die außerhalb der Stadt spielenden Szenen greift Goldsmith zu extrem rauschhaften, impressionistischen Klangpaletten, um die Schönheit lebendiger Natur einzufangen, die sich den ihrer künstlichen Welt Entflohenen nun zum ersten Male eröffnet. In „The Sun" wechseln einander höchst effektvoll auskomponierte, breit ausschwingende Variationen des Liebesthemas und filigrane, von einer Piccolo-Flöte geprägte, lichtdurchflutete Passagen ab. „The Monument" schließlich lebt von seinem überwiegend introspektiven Charakter: Prägend sind für dieses mit acht Minuten längste Stück der CD eine ebenfalls impressionistische, leicht nervöse Holzbläserfigur sowie gegen Ende hin eindrückliche, mahnende Steigerungen des chromatischen Grundmotivs in den Blechbläsern.

Die schon dort deutlich spürbare Dramatik spitzt sich im weiteren Vorlauf noch zu und mündet im brachialen Actiontrack „You're Renewed", in dem der Komponist auf Material aus „Intensive Care" und „The Key" zurückgreift, das nun vom Blech vorgetragen wird und so in seiner Wirkung nochmals zulegt. In „The Interrogation" hat die beinahe ins Groteske übersteigerte Elektronik ihren letzten Auftritt, als der in die Stadt zurückgekehrte Logan zum Aufstand gegen die Herrschaft der Computer aufruft. Natürlich müssen letzen Endes in Film und Score die guten Kräfte obsiegen; musikalisch wird das Happyend durch eine letzte, heroisch-kraftvolle Variante des Love Theme besiegelt.

Das Anfang 2002 bei Film Score Monthly erschienene Album könnte kaum besser sein: Ein mit viel Sorgfalt erstelltes Booklet bietet detaillierte Hintergrundinfos zu Film und Musik, Track-by-Track-Analysen sowie sehenswerte Produktions-Designs und -Fotografien. Die Musik selbst liegt mit über 74 Minuten Spielzeit sowohl vollständig als auch filmchronologisch und in insgesamt guter Klangqualität vor, nur die Dynamik lässt in einigen der lauteren orchestralen Passagen etwas zu wünschen übrig. Insgesamt ist dem FSM-Team um Lukas Kendall also eine weitere Veröffentlichung mit Referenzcharakter geglückt, die den vorherigen Präsentationen des Scores in allen Belangen haushoch überlegen ist.

Fazit: Wer nach einer experimentellen, kompositorisch und dramaturgisch brillanten Filmmusik zu einem Science-Fiction Film der 70er Jahre sucht, für den ist Logan's Run ein Pflichtkauf! Jerry Goldsmiths Partitur fesselt durch ihre epischen Proportionen und ihre enorme Vielseitigkeit augenblicklich und nachhaltig. Im Score werden scheinbar gegensätzliche und unvereinbare musikalische Ebenen (Avantgarde und Romantik) durch ein starkes thematisches Konzept organisch miteinander verbunden, was die CD auch zu einem mehr als passenden Ausgangspunkt für diejenigen Filmmusikhörer macht, die noch nach einer möglichst eleganten Einführung in die experimentellen Werke des Maestro suchen. Einzig die doch recht gewöhnungsbedürftigen, wohl primär historisch interessanten Synthesizer-Passagen können da zu einer leichten, kosmetischen Abwertung dieser ansonsten makellosen Musik (um einen halben Punkt) führen.

Interessant am Rande: Ein Experiment zur Erschaffung einer künstlichen Welt hat es schon gegeben. Ende der 80er Jahre des letzten Jahrtausends haben  amerikanische Wissenschaftler in der Wüste von Arizona das „Biosphere 2"-Projekt  initiiert: In großen, aus Stahlgerüst und Glas bestehenden Hallen sollten acht  Personen zwei Jahre lang völlig autark (über-)leben und alles zum Leben Notwendige selbst produzieren. Nun, die Realität funktioniert anders als die filmische Logik: Das Experiment ist gescheitert; nicht etwa an Überbevölkerung, sondern wegen akuter medizinischer und sozialer Probleme innerhalb der Gruppe.

Oliver-Michael Strate,
Jonas Uchtmann, 07.03.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

5.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
6 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
5 von 6 Punkten
Begleittexte:
5 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
5 von 6 Punkten

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