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Rezensionen - Pan's Labyrinth
 


Javier Navarrete
-

Zu einer der großen Überraschungen des letzten Jahrzehnts zählte Guillermo del Torros Film Pans Labyrinth. Der mit drei Oscars ausgezeichnete Film wagt den waghalsigen Spagat zwischen Märchen und Bürgerkrieg. Die 11-jährige Ofelia zieht zusammen mit ihrer hochschwangeren Mutter zu ihren Stiefvater aufs Land und somit mitten hinein in den Guerilla-Krieg im Spanien der 1940er. Während ihr Stiefvater als Offizier alles daran setzt, die Partisanen vernichtend zu schlagen, entdeckt Ofelia das Labyrinth des Pans, der sie vor drei Aufgaben stellt. In diesen soll sie beweisen, dass sie die eins aus dem Reich ihres wirklichen Vaters geflüchtete Prinzessin ist. Um diesen Beweis zu erbringen, muss sieh mehrere Aufgaben erfüllen, die sich schicksalhaft mit dem Verlauf des Guerillakrieges verbinden…

Dass es aufgrund der blutigen und brutalen Parallelhandlung bei keinem Kinderfilm mit niedlichem Märchen bleibt, liegt offen auf der Hand. Immer wieder schockiert del Torro die Zuschauer mit grässlichen Bildern, wodurch der Wunsch Ofelias, aus dieser Welt zu entkommen, umso deutlicher hervortritt und den Zuschauer stark an sie bindet. Als besonders gelungen darf man im Film nicht nur den dramaturgischen Verlauf nennen, gerade die Kostüme sind üppig und detailverliebt und die oscarprämierte Kameraführung setzt alles grandios in Szene.

Mehr als gelungen ist auch die Musik zu diesem Streifen, für die sich Javier Navarrete verantwortlich machte. Auf einem einfachen und eingängigen Schlaflied basierend baut sie auf diesem wunderschönen Thema auf, das die Sehnsucht nach Friede und Geborgenheit immer wieder zum Ausdruck kommen lässt. Das eingangs gesummte Thema wird vom Klavier zart begleitet, bevor es sich in den Streichern wiederholt und nun von einem zerbrechlichen Frauenchor begleitet wird („Long long Time ago“). Trotz der so lieblich-verspielten Melodie schwingt etwas bedrohliches, Ungewisses in den Begleitstimmen mit, was die von Grund auf bedrückende Stimmung der Bilder hervorragend einfängt. Der Gang der auch für Ofelia immer grausamer werdenden Geschichte lässt sich in „A Tale“ mithören: Am Anfang verzaubert das Solopiano mit der zarten Melodie des Schlafliedes, aber peu à peu setzten die Streicher ein, bis sie ganz das Ruder übernehmen und die Kontrabässe mit der markant-bedrohlichen Betonung der ersten Zählzeit das ganze Klangbild des so lieblichen Themas ins Dunkel stürzen.

Das Thema zieht sich als roter Faden durch die ganze Partitur. Als Ofelia am Ende vor der letzten Aufgabe steht – sie soll ihren gerade geborenen Stiefbruder zum Pan bringen – flieht sie vor ihrem wahnsinnigen Stiefvater durch den finsteren Wald. Die Celli wirbeln, die Geigen kreischen in atonal-atemberaubender Höhe („Pan and the Full Moon“) bis Ofelia am Ende ihr eigenes Leben opfert und die Streicher ihr Thema in voller Wucht ausspielen, untermalt von elegischen Bläserakkorden („Ofelia“).

Ofelias Aufgaben werden mit einer großen orchestralen Bandbreite vertont. In „The Moribund Tree and the Tood“ wechseln sich üppig besetzte Passagen mit eher intim-kammermusikalischen Sequenzen ab. „Not Human“ klingen dann die furchtvollen, tiefen Chöre gepaart mit Harfe und hilflos flirrenden Geigen, gefolgt von einer leicht heroisch angehauchten Hornmelodie, die immer wieder  aus dem Meer des Stimmengekreisches emporsteigt. 

Für die Guerillakämpfer entwarf Navarette militaristisch angehauchte musikalische Ideen, die etwas Marschähnliches an sich haben und von Drums begleitet werden („Guerrilleros“).

Navarretes Musik entpuppt sich als vielseitig, spannend und äußerst beklemmend. Auch wenn gelegentlich Shores Herr der Ringe-Musiken durchklingen, so kann man dem Spanier seinen ganz eigenen Stil nicht absprechen, den er hier voll entfalten kann. Die Musik ist gerade beim mehrmaligen Hören eine wahre Wundertüte, in der sich viel Schönes entdecken lässt.

Ludwig Hollmann, 16.06.2012
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

4.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
6 von 6 Punkten
Klangqualität:
4 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
3 von 6 Punkten

Unterhaltung:
4 von 6 Punkten
Anspruch:
4 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 19. 1. 2013 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2013.