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Rezensionen - Van Helsing
 


Alan Silvestri
-

Ob apokalyptischer Öko-Katastrophenthriller aus dem Hause Emmerich, mittlerweile drittes Abenteuer des beliebtesten Zauberlehrlings der Filmgeschichte oder überwältigendes Schlachtengetümmel im alten Troy – jeder nur halbwegs Kino- und/oder Film-Interessierte dürfte es in letzter Zeit nur allzu deutlich bemerkt haben: die lukrative Saison der potenziellen Sommer-Blockbuster hat erneut begonnen.

Einer der Garanten für erfolgreiches Unterhaltungskino, Mumien-Regisseur Stephen Sommers, ließ es sich natürlich nicht nehmen, ebenfalls im diesjährigen Kampf um die höchsten Besucherzahlen mitzumischen. Sein neuester Streich, der pompöse Horror-Actionthriller Van Helsing mit Hugh Jackman (Wolverine-Darsteller aus X-Men) und Kate Beckinsale (Pearl Harbor), startete am 6. Mai in den deutschen Lichtspielhäusern und bewegt sich bereits jetzt an der Spitze der deutschen und amerikanischen Kino-Charts. Die actionreiche Wiederbelebung berühmter Universal-Filmmonster dreht sich um den legendären Vampirjäger Van Helsing, der sich ins dunkle Transsylvanien begibt, um dort (mit der unerwarteten Unterstützung der attraktiven Zigeunerprinzessin Anna Valerious) Graf Dracula, Frankenstein und Co. endgültig den Garaus zu machen. Dass dies unter der Regie von Stephen Sommers innerhalb kürzester Zeit in eine gigantische, effektüberladene Materialschlacht ausartet, versteht sich wohl fast von selbst.

Musikalisch betreut wurde das über zweistündige Action- und Effektfeuerwerk von Alan Silvestri, der bereits vor drei Jahren die actiongeladene Rückkehr der Mumie (ebenfalls unter der Regie von Stephen Sommers) mit reichlich orchestralem Bombast versorgte, der jedoch trotz allem Unterhaltungswert leider keine sonderlich neuartigen konzeptionellen Ansätze mit sich brachte. Auch im Falle von Van Helsing hat Silvestri kein musikalisches Neuland beschritten: Altbewährte Orchestrierungsschemata, ein bassbetontes Dauerfeuer donnernder Percussion und finsterer, brachial intonierender Chor dringen hier über (äußerst unterhaltsame) 43 Minuten Albumspielzeit aus den strapazierten Boxen der heimischen Stereoanlage. Doch ungeachtet ihres stellenweise maßlos wirkenden Hangs zu übertriebenem Bombast kann man Silvestris musikalische Monsterjagd kaum als misslungen bezeichnen; zu packend und unterhaltsam präsentiert sich die groß angelegte, episch-düstere Vertonung des Komponisten, die jedoch durch das (fast vollständige) Fehlen lyrischer und melodischer Ruhepole doch etwas an Reiz und Anhörbarkeit einbüßt. Die stellenweise fast erdrückende Wirkung des pausenlosen, äußerst wuchtigen Actionscorings ist sicherlich nicht jedermanns Sache, allerdings sorgt hier der recht kurze, 43-minütige Albumschnitt für ein (noch) recht gut an- und durchhörbares Soundtrackalbum.

Doch abseits der brachialen Energie des Scores tut sich auch thematisch in Silvestris Partitur einiges: Den Schauplatz Transsylvanien und den schlimmsten Unhold der Monsterbande, Graf Vladislaus Dracula, charakterisiert ein diabolisches, gotisch anmutendes Staccato-Thema für Chor und Orchester, dessen wuchtige Vorstellung bereits im ersten Track des Albums („Transylvania 1887") zu hören ist. Für den Protagonisten Van Helsing und seine mindestens ebenso tapfere wie heldenmütige weibliche Begleitung schrieb Silvestri ein heroisch-schwungsvolles, jedoch erst in der zweiten Hälfte des Scores häufiger auftretendes Swashbuckler-Theme („Useless Crucifix", „Transylvanian Horses") und ein weiteres von antreibenden Synthesizerrhythmen unterlegtes Heldenthema („Journey To Transylvania").  Außerdem beinhaltet der Score ein zusätzliches, episches Actionmotiv mit anschließendem, auf- und abgleitendem Harfen- und Streicher-Glissando, das dem Hörer insbesondere in den beiden Actiontracks „Burn It Down!" und „Final Battle" in zahlreichen Varianten begegnet. Einen der wenigen romantischeren Momente des Scores schafft Silvestri, indem er im finalen Schlusstrack „Reunited" aus Versatzstücken der beiden Van Helsing-Hauptthemen sogar eine Art dramatisches Liebesthema entwickelt, das gegen Ende des Cues von einem letzten, kraftvollen Auftritt des Chors gefolgt wird, der den Score gelungen abschließt. Zwar ist das thematische Material der Partitur insgesamt von Silvestri-typischer, recht simpler Harmonik geprägt, verleiht dem archaischen Score jedoch genügend Zusammenhalt und ist zumindest ein Garant für eingängige und temporeiche Unterhaltung, wenn auch nicht auf sonderlich hohem Niveau.

Natürlich sollte der Hörer nicht damit rechnen, im Falle von Van Helsing reichlich Innovation geboten zu bekommen, einige recht originelle Einfälle finden sich in Silvestris Score aber dennoch. Besonders erwähnenswert ist in dieser Hinsicht „All Hallow's Eve Ball", in dem makabre, düstere Ballmusik in Verbindung mit Violinen-Soli und gespenstischer Solo-Gesangsstimme erklingt und schließlich in einen brachialen Walzereinwurf mündet. Neben einem Schuss „transsylvanischem Klangkolorit" in Form von vereinzelten Gitarren-Einsprengseln (leider nur auf sehr wenige Tracks beschränkt, wie etwa in „Journey To Transylvania" und „Transylvanian Horses"), wird sogar eine stellenweise kurz aus dem Actionbombast hervorstechende Kirchenorgel verwendet.

Die gelegentliche Verwendung synthetischer Klänge (meist in Form von treibenden, pulsierenden Drumlines in den ausgedehnten Actionpassagen des Scores) ist zwar nicht zu überhören, jedoch fällt der Synthesizereinsatz in Van Helsing deutlich weniger intensiv und vordergründig aus als in Silvestris letztem Abenteuerscore Tomb Raider: The Cradle of Life aus dem letzten Jahr.

Fazit: Silvestri legte uns mit seiner neuesten Kreation ein äußerst kurzweiliges und mitreißendes Stück Filmmusik vor, wobei man jedoch bedenken sollte, dass sich der Score auf mittlerweile recht ausgetretenen Pfaden bewegt und sowohl die Konzeption als auch die Ausarbeitung der Themen (wie so oft bei Silvestri) doch recht simpel und spartanisch ausfällt. Ebenso fehlt dem Score stellenweise die nötige Balance zwischen impulsiver Action und etwas ruhigeren, melodischeren Passagen. Die Qualität des drei Jahre früher entstandenen, stilistisch vergleichbaren Silvestri-Scores The Mummy Returns wird hier folglich nicht ganz erreicht, dennoch kann man Silvestris unterhaltsamer und packender Untermalung eine mehr als nur solide 3,5 Punkte-Wertung bedenkenlos zusprechen. Für eine uneingeschränkte Empfehlung und eine qualitative Gleichstellung mit der exotisch-frischen, deutlich abwechslungsreicheren Partitur zu The Mummy Returns reicht es meines Erachtens jedoch nicht.
Sebastian Schwittay, 15.05.2004


Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3.5 von 6 Punkten


I. Die Alben

-CD-

Spielzeit:
3 von 6 Punkten
Klangqualität:
5 von 6 Punkten
Schnitt:
4 von 6 Punkten
Begleittexte:
3 von 6 Punkten

Unterhaltung:
5 von 6 Punkten
Anspruch:
2 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 26.07.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.