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Rezensionen - King Kong Escapes
 


Akira Ifukube
-

Im Gegensatz zu Godzilla schaffte King Kong relativ schnell den Sprung über den großen Teich. Nicht einmal ein halbes Jahrhundert nach seinem ersten Auftauchen wagte der Riesenaffe erstmals den Sprung nach Japan, um dort gegen Godzilla anzutreten. Der Erfolg des Films war so riesig wie seine Hauptdarsteller und so kam es, dass Ranking/Bass den Toho-Studios ihre ebenfalls durchaus erfolgreiche, von 1966-69 produzierte Zeichentrickserie The King Kong Show anvertrauten, um auf deren Basis einen Realfilm produzieren zu lassen.

Die ersten Konzepte führten aber zu einem Godzilla-Film: Frankenstein und die Monster aus dem Meer von 1966. Ursprünglich wäre es jedoch King Kong gewesen, der auf einer tropischen Insel gegen das Krabbenmonster Ebirah und eine bösen Vereinigung namens Roter Bambus hätte antreten müssen. Erst im Anschluss an die obengenannte Produktion entschied man sich, die Serie selbst zu verfilmen und so kam Kingu Kongu no Gyakushū 1967 in die japanischen Kinos.

Die Handlung ist denkbar einfach: U-Boot-Kommandant Nelson (Rhodes Reason) und seine Crew treiben eines schönen Tages durchs Meer, als sich urplötzlich ein Unterseebeben ereignet und einigen Schaden anrichtet. Die Besatzung wird zu einer kleinen Reparaturpause gezwungen. Zum Glück für den Zuschauer, dass diese ganz in der Nähe der Mond-Insel stattfindet, denn dort soll der sagenhafte Riesenaffe King Kong hausen, dessen Erforschung ganz zufällig ein großes Hobby von Kommandant Nelson und Lt. Kommandant Nomura (Akira Takarada) ist. Am Nordpol hat Nelsons alter Widersacher, der böse Dr. Who, unterdessen ein ganz anderes Problem: Von Madame Piranha (Mie Hama), der Abgesandten eines einem nicht weiter erwähnten ostasiatischen Landes, hat dieser den Auftrag erhalten, das seltene und hoch radioaktive Element X zu fördern. Zu diesem Zweck hat er, nach dem Vorbild des echten King Kong, einen riesigen Mechani-Kong entwickelt, der die Drecksarbeit für ihn übernehmen soll. Zu dumm, dass dem Stahlkoloss angesichts der hohen radioaktiven Strahlung des gefährlichen Elementes im Nu die Schaltkreise durchbrennen.

In der Zwischenzeit haben sich Nelson, Nomura und die schöne, blonde Lieutenant Susan Watson (Linda Miller) in einem Hovercraftboot auf den Weg zur Insel gemacht. Während Nelson und Nomura die Insel erkunden, bleibt Susan am Hovercraft-Boot zurück, weil es da am sichersten für sie ist. Kurz darauf taucht aber ein Gorosaurus auf, ein fiktiver Nachfahre des Allosaurus, der in Susan offensichtlich einen kleinen Snack sieht. Deren Hilferufe bleiben nicht unbemerkt und rufen den in seiner Höhle vor sich dösenden Gott der Insel, King Kong, auf den Plan, der herangeeilt kommt und das tut, was Riesenaffen nun mal zu tun pflegen, wenn eine blonde Schönheit um Hilfe ruft: Sie prügeln sich mit ihren schuppigen Kontrahenten in einem Kampf auf Leben und Tod. Diese Gelegenheit nutzen das menschliche Trio, um schnellstens von der Insel zu verschwinden. Auf dem Rückweg übers Wasser werden sie jedoch von einer rieseigen Wasserschlage attackiert. King Kong eilt schon zur Stelle übernimmt die Angelegenheit. Als das U-Boot wieder Kurs auf New York nimmt, guckt der Riesenaffe ein wenig traurig hinterher.

Zurück in den Staaten verkündet Nelson der Welt seine große Entdeckung. Außerdem wolle man sich in Bälde auf eine weitere Expedition begeben, um King Kong weiter zu studieren. Zu dumm, dass Dr. Who ihnen zuvorkommt und den Riesenaffen entführt. Ihm gelingt es schließlich, Kong mittels einer blinkenden Lampe zu hypnotisieren und dazu zu bringen, nach dem Element X zu graben (Kong versteht anscheinend ohne Probleme Japanisch), allerdings ist die Strahlung von Element X so stark, dass die Hypnose nicht lange anhält und der Rieseaffe ordentlich auf den Putz haut. Offenbar hört King Kong einzig und allein auf Susan Watson, und an die will Who schnellst möglich kommen. Mit einem teuflischen Täuschungsmanöver (bei dem Dr. Whos Männer sich als Japaner ausgeben) gelingt es Dr. Who, das Trio zu entführen und zum Nordpool zu fliegen.

Die drei Helden lassen sich aber nicht so einfach auf die dunkle Seite der Macht ziehen, und so muss Nelson mit Who Schach spielen, während Susan Watson und Jiro Nomura in der Todeszelle angesichts des nahenden Erfrierungstodes ihre Liebe zueinander entdecken. Glücklicherweise gelingt es King Kong inzwischen, sich endgültig zu befreien und davon zu schwimmen. Dr. Who ist absolut nicht begeistert und schickt ihm seinen wieder einsatzbereiten Mechani-Kong hinterher. Madame Piranha hat jedoch unterdessen die Seiten gewechselt und verhilft unseren Helden zur Flucht: Somit kann der Showdown zwischen King Kong und Mechani-Kong auf dem Tokyo Tower beginnen!

Wer einen Film wie diesen ernst nimmt, ist selbst Schuld. Der Unterhaltungswert hingegen ist enorm: Zu keinem Zeitpunkt schleppt die Handlung, immer ist was los, immer gibt es was zu staunen. Die Miniatursets sind eine wahre Augenweide. Gerade die Polarbasis von Dr. Who zeigt einmal mehr den Einfallsreichtum Tsuburayas Designer, und da King Kong mit 35 Metern hier kleiner ist als die meisten anderen Kaijus, fallen die Miniaturen noch detaillierter aus. Die Inneneinrichtungen enthalten ebenfalls viele Details, die erst beim zweiten Hinsehen auffallen; beispielsweise steht in Dr. Whos Basis auf dem Schreibtisch vor der Gefängniszelle ein prächtiger Blumenstrauß. Man hat ohnehin den Eindruck, dass Toho hier die ersten Versuche unternimmt, an den ironischen Charme der zu dieser Zeit in Japan sehr erfolgreichen James-Bond-Filme anzuknüpfen.

Leider trifft das eben Gesagte das auf die Outfits der Monster nicht zu: Am besten kommt noch Gorosaurus weg, bei dessen Design man sich höchstwahrscheinlich von Rudolph Zallingers Allosaurus hat inspirieren lassen, zumal die launische Schreckensechse mit ihren Hinterläufen noch einige coole Känguru-Tritte verteilt. Für Tsuburaya, der ein großer Verehrer des originalen King Kong von 1933 war, muss der Kampf zwischen Kong und Gorosaurus ein großer Spaß gewesen sein. Das Design der beiden anderen Monster dagegen fällt nicht so gut aus. Während Mechani-Kong noch ganz annehmbar ist, sieht Kong selbst mit seinen Kulleraugen, dem helmartigen Kopf und den verlängerten Armen mal wieder völlig affig aus. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber an den Plüschgorilla, und da der Film ohnehin sehr Comic-artig daher kommt, hat der karikative Ansatz durchaus seine Berechtigung.

Das menschliche Helden-Trio ist zudem für diese Art von Film durchaus passend besetzt worden. Akira Takarada und Rhodes Reason machen durchweg eine gute Figur, während Linda Miller als süßes Blondchen oder beschützenswerte kleine Schwester fungiert, ohne dass sich Hintergedanken aufdrängen. Nein, diese drei wollen nichts Böses, noch nicht mal Sex.

Die wahren Stars des Films sind allerdings die beiden (menschlichen) Bösewichte (und das will in einem Toho-Monsterfilm schon was heißen). Eisei Amamoto gibt einen hervorragenden Kinderschreck ab. Immer mit diabolischem Grinsen auf dem Gesicht, ganz in schwarz und mit wehenden Umhang. Modisch betrachtet kann aber auch er nicht Mie Hama mithalten: Madame Prianha schlüpft vor so gut wie jeder Szene in eine neues Outfit, mal im adretten Kostüm mit koketter Haube und fescher Sonnenbrille, mal im schwarzen Abendkleid, aber immer chic im Strick! Tohos Vixens haben eben Geschmack! Zudem darf sie nach ihrer großen Rolle als Bond-Girl in You Only Live Twice, mit Lippenstiftmikrofon und Funkgerät im Strickhut, noch für ein bisschen Spy-Film-Flair sorgen. Übrigens war dies nicht Mie Hamas erste Begegnung mit King Kong: Bereits in King Kong vs.Godzilla von 1962 war sie in einer Nebenrolle vertreten. Dabei wurde sie von King Kong sogar eine Zeit lang herumgetragen und ist somit die bislang einzige Schauspielerin der Welt, die sich neben ihrem Status als Bond-Girl auch als zweifaches Kong-Girl bezeichnen darf.

Auch für Akira Ifukube war King Kong, Frankensteins Sohn die zweite filmische Begegnung mit Kong. Allerdings übernahm er keines seiner Themen aus 1962er Score zu King Kong vs. Godzilla. Stattdessen funktioniert Ifukube sein Ghidorah-Theme in einer etwas abgespeckten Version zum allgemeinen Monsterkampf-Thema um. Schweres Blech und Flatterzunge in den Trompeten bestimmen aber auch hier den Klangcharakter. Des Weiteren erhält Mechani-Kong ein eigenes, dank perkussiver Klaviercluster und chromatischer Ostinati im Bass sehr mechanisch klingendes Thema, welches Ifukube allerdings schon in Sakuma Dam einsetzte und das vermutlich aus einer seiner frühen Konzert-Kompositionen stammt. Als Liebesthema für Kong und Susan benutzt Ifukube eine eingängige, lyrische Melodie im 5/4-Takt aus seinem Ballett Salomon, das er etwa ein Jahr zuvor schon in Daimajin Ikaru von 1966 verwendet hatte. Allerdings fügte er dem Thema mittels einiger Paukensoli einige ungewöhnliche Wendungen in der Instrumentation hinzu. Gegen Ende im Track 25, King Kong Heads To Tokyo Bay, entdeckt Ifukube kurzzeitig sogar den Wah-Wah-Dämpfer der Trompete für sich. Ansonsten handelt es sich bei King Kong Escapes um einen zwar unterhaltsamen, aber auch etwas biederen Ifukube-Score, der im Film durchaus eine große Wirkung entfaltet, als reines Höralbum aber vor allem an mangelnder Abwechslung leidet und schnell etwas ermüdend werden könnte. Sammler und Fans des Film können hier bedenkenlos zugreifen, auch wenn das Toshiba EMI LTD./Futureland Album von 1997 inzwischen nur noch schwer zu bekommen sein dürfte. Alle anderen sollten den Score in dem ohnehin sehr unterhaltsamen Film genießen, der schon seit einiger Zeit recht preisgünstig über Universal UK als Import zu bekommen ist. Leider bietet die DVD nur den englischen Ton, doch können sich Bild- und Tonspur sehen lassen. Die teurere Alternative dazu ist die japanische DVD von Toho oder die mittlerweile vergriffene deutsche DVD von Media Target Distribution.

Filmwertung: 4 Sterne


Jan Selzer, 31.12.2014
Details zum Soundtrack



I. Die Musik

3.5 von 6 Punkten


I. Die Alben



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