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Filmkommentar: Wunderkinder


Wunderkinder

Eine Filmkritik von Simone Bet


 

Mit Wunderkinder präsentiert uns Regisseur Markus Rosenmüller großes Betroffenheitskino made in Germany, wobei sich das „groß“ eindeutig mehr auf die Betroffenheit als auf das Kino bezieht, da der Film so bleiern und unverdaulich im Magen liegen bleibt wie ein Bauchschuss.

Der Film spielt 1941 und erzählt die Geschichte von den in der Ukraine lebenden jüdischen Wunderkindern Abrascha (Elin Kolev) und Larissa (Imogen Burell), die durch phänomenale Leistungen an ihren Musikinstrumenten von ihren Landsleuten zu Symbolen sowjetischer Tüchtigkeit und Überlegenheit hochgelobt werden. Später gesellt sich zum Duo noch die junge Hanna (Mathilda Adamik), die ihrerseits eine talentierte Geigerin und Tochter eines reichen deutschen Brauereibesitzers ist. Zwischen den drei Kindern entwickelt sich mit der Zeit eine innige Freundschaft, die mit dem deutschen Überraschungsangriff auf die Sowjetunion auf eine harte Probe gestellt wird. Von diesem Zeitpunkt an sehen sich die Kinder mit verschiedenen Verfolgungsszenarien konfrontiert. So sind es zu Beginn der Invasion noch Hanna und ihre Eltern, die von Teilen der Bevölkerung und der sowjetischen Staatsgewalt gejagt werden. Sie finden schließlich Unterschlupf und Unterstützung bei den Familien von Abrascha und Larissa. Die Situation dreht sich jedoch um 180 Grad, als die Nazis als Besatzer auftreten und die Deportationen beginnen. Als dann noch klar wird, dass SS-Standartenführer Schwartow (Konstantin Wecker) ein besonderes Auge auf die beiden Wunderkinder geworfen hat, nehmen besonders grauenhafte Ereignisse ihren Lauf.

Soweit die groben Umrisse dieses Dramas – und es ist ein Drama! Es ist ein Drama, dass trotz der vielen Fördergelder und der relativ guten Besetzung ein solcher Film dabei herausgekommen ist. Als am Ende des Films eine Widmung an die 1,5 Millionen getöteten Kinder an die Leinwand projiziert wurde, spürte ich förmlich den Drang die Verantwortlichen darauf hinzuweisen, dass eine Entschuldigung möglicherweise angebrachter gewesen wäre, denn mit diesem Film ist den Opfern wirklich nicht geholfen.

Gehen wir jedoch der Reihe nach. Warum funktioniert dieser Film einfach nicht? Die Frage ist relativ schnell zu beantworten. Dem Film mangelt es an jeglicher Authentizität und die Macher scheinen sich nicht der Tatsache bewusst zu sein, dass es gerade im Umgang mit solch heiklem historischen Material wohl nichts gibt, was wichtiger ist, als dem Zuschauer zu vermitteln, dass man sein Quellenmaterial ernst nimmt. Ich will hier niemandem Böses unterstellen oder andeuten, dass der Holocaust und der Zweite Weltkrieg auf die leichte Schulter genommen werden. Wer einen solchen Film macht, muss über eine rein handwerkliche Verantwortung hinaus gehen und sich auch moralisch in der Pflicht sehen, einen guten Film zu machen. Dies wurde scheinbar vergessen. Es werden viele leichtsinnige Fehler gemacht und das, was man an Potential hatte, wird leichtfertig verschenkt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Kulissen. Zwar hatte man Zugriff auf wirklich hochwertige Requisiten, doch wurde damit so lieblos und steril umgegangen, dass der Zuschauer vermuten könnte, die Handlung würde in einem überdimensionalen Puppenhaus spielen. Ausstattung stimmt. Bühnenbild weniger !!!

Der Film schafft es des Weiteren nur selten, erinnerungswerte Szene zu schaffen, die von den Charakteren beziehungsweise den Schauspielern getragen werden. Stattdessen wird versucht, den Zuschauer mittels bedeutungsschwangerer und meist abgedroschener Symbolismen auf die Dramatik der Ereignisse hinzuweisen, was unglaublich plump daher kommt und ziemlich berechnend wirkt. Gerade vom Finale des Films hätte ich mir mehr erhofft.

Auch einige der Charaktere und Darsteller funktionieren überhaupt nicht im Sinne der Schaffung eines glaubwürdigen Umfeldes. So wirkt der SS-Sturmbannführer Becker eher wie die Parodie eines Nazis, da er von John Friedmann völlig überzeichnet und übertrieben „böse“ gespielt wird. Dies wirkt so aufgesetzt und so kontradiktiv zum Rest dessen, was der Film versucht (!) dem Zuschauer zu vermitteln. Hier hat man sich einfach des Stereotypen des bösen Nazis bedient, ohne zu bemerken, wie lächerlich dies wirkt. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass man mühelos die meisten Szenen mit John Friedmann in einer Komödie laufen lassen könnte, wenn man sie bloß mit lustiger Musik unterlegen würde.

Bei der schauspielerischen Leistung sehe ich mich persönlich in einem Dilemma gefangen, da es hier nicht immer ganz einfach ist zu entscheiden, ob die Schauspieler ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind oder ob sie einfach nur unter schlechten Regieanweisungen zu leiden haben. So zeichnen sich einige Schauspieler durch eine hyperkorrekte Aussprache – insbesondere bei Wortendungen – aus, welche ihre Dialoge etwas hölzern wirken lassen. Dies mag im Theater funktionieren, wo der Sound aufgrund der räumlichen Eigenschaften wesentlich diffuser ist, aber im Film sorgt dies eher für Befremden. Ich sehe den Regieassistenten geradezu vor meinem geistigen Auge, wie er die Darsteller um deutliches Sprechen bittet. So redet aber niemand! Nein, auch damals nicht !!!

Regie ist ein gutes Stichwort, da der Regisseur und Co-Autor des Drehbuchs, Markus Rosenmüller, mehr aus einigen der wirklich guten Darsteller hätte herausholen können beziehungsweise müssen. So hätte Konstantin Wecker wesentlich mehr Szenen in diesem Film haben dürfen! Nicht nur, dass er eine absolut tadellose Performance abliefert, nein, er versprüht darüber hinaus ein Charisma, das etwas Farbe in diesen ansonsten sehr moralisch schwarz-weiß „gefärbten“ Film bringt. Seine Rolle gibt dem Film einen wichtigen Anteil an Tiefe, die man in den meisten Szenen, in denen er nicht zu sehen ist, vermisst. Außerdem ist er einer der Wenigen, die in diesem Film normal sprechen.

Neben Wecker sind noch die Leistungen von Mark Zak – der wirklich schön und glaubwürdig spielt – und den Kinderdarstellern positiv zu vermerken. Besonders Letztere überzeugen bei den musikalischen Einlagen und schaffen es dadurch, einige der wenigen magischen Momente des Films zu kreieren. Alles andere wirkt – insbesondere in den Szenen, in denen die freundschaftliche Beziehung der Kinder im Mittelpunkt steht – sehr konstruiert, geradezu oberflächlich und dadurch alles andere als mitreißend.

Ist Wunderkinder also ein schlechter Film? Nein, er ist nur kein besonders guter! Wenn sich dann auch noch die Vorstellung dazu mischt, was man aus diesem Film alles hätte machen können, dann wird diese Produktion wirklich ungenießbar. Das, was man an positiven Elementen hatte, wurde nicht genutzt oder verheizt und darüber hinaus wurden Fehler begangen, die einem für gewöhnlich nicht einmal bei einer Low-Budget-Produktion passieren dürfen. Aus diesem Grund ist dieser Film eher etwas für Leute, die in ihrer Übertoleranz ein gutes Kompensat für ein historisch bedingtes Schuldgefühl entdeckt haben. Allen Anderen empfehle ich alternativ Schindlers Liste, Der Pianist, oder auch Der Untergang: Filme, deren Macher zumindest verstanden haben, worauf es ankommt.

Sollte jetzt doch noch der Eine oder Andere unter Ihnen sein, der sich fragt, ob er/sie sich Wunderkinder ansehen sollte, der/dem möchte ich an dieser Stelle – man möge es mir verzeihen, aber ich kann es mir einfach nicht verkneifen – mit einem Zitat von Konstantin Wecker antworten: „Sage nein, sage nein, sage nein!“

(10. 1. 2012) 

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