Aktuelles
Inhaltliches
Rubriken
Login
Specials
Demnächst

Specials
  • Alfred Schnittke (Teil 3)
Rezensionen
  • Something Wicked This Way Comes (Horner)
  • Mao's Last Dancer (Gordon)
Kurzkritiken
  • Agora (Marianelli)
Statistik
 
  • Specials: 11

  • Rezensionen: 169

  • Kurzkritiken: 119

  • CD-Tipps: 31

  • DVD-Kritiken: 16

  • Buchkritiken: 2

DVDs - Saw
03.07.2005

Saw
Kinowelt / 2005
Laufzeit: 92 min

Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan, Leigh Whannell
Score: Charlie Clouser

Zwei Menschen, in einem gekachelten, schmutzigen Raum mit Ketten an Rohre gefesselt, zwischen ihnen eine entstellte Leiche. Zwei Sägen, die jedoch kein Metall durchschneiden. Sechs Stunden Zeit, um den Überlebenswillen auf die Probe zu stellen – und das Spiel beginnt ... So das Konzept des nur knapp 1,5 Millionen Dollar teuren Horrorthrillers, der in den USA allein am Startwochenende fast das 18-fache seiner Produktionskosten einspielte. Die Rede ist von Saw, dem Regiedebut des Australiers James Wan, welches zweifelsohne zu den spannendsten und originellsten Beiträgen zum Psychothriller-Genre der letzten Jahre gezählt werden kann. 

Den außerordentlichen Erfolg seines Werks hat Wan sowohl der intelligenten, verschachtelt erzählten und mit zahlreichen überraschenden Wendungen versehenen Handlung als auch der glaubwürdigen Darstellung der Charaktere zu verdanken. Wans Film wirft die Frage auf, wie weit ein Mensch in einer lebensbedrohlichen Situation zu gehen bereit ist, um sich selbst zu retten, und führt den Zuschauer somit ungewöhnlich nah an die ausweglose Situation der Hauptcharaktere heran. Cary Elwes als Dr. Lawrence Gordon, der seinen Zellengenossen Adam (Leigh Whannell) töten muss, um sich und seine entführte Familie aus den Fängen des psychopathischen „Jigsaw"-Killers zu retten, zeigt diesbezüglich auf eindringliche Weise die drohende Verdrängung der menschlichen Moral zugunsten der Erhaltung des eigenen Lebens. Diese Provokation primitivster menschlicher Selbsterhaltungstriebe bereitet dem Killer, der seine Opfer mit Videokameras beobachtet, enorme sadistische Freude – nicht nur im Falle der beiden im Waschraum angeketteten Männer, sondern ebenso bei diversen anderen Opfern, wie in den zahlreichen Rückblenden des Films zu erfahren ist. So erzählt der Thriller unter anderem die Geschichte der Drogenabhängigen Amanda, auf deren Kopf ein mechanischer Helm montiert ist, der nach Ablauf einer Zeitschaltuhr den Kiefer der Frau zerquetscht. Der zur Öffnung der tödlichen Vorrichtung notwendige Schlüssel befindet sich im Magen eines betäubten, jedoch nicht bewusstlosen Mannes, der neben Amanda auf dem Boden liegt – neben ihm ein Küchenmesser. 

Die Darstellung von sadistischer Perversion sowie von mentaler und physischer Gewalt erreicht in Saw zwar einerseits neue, nervenzerreißende Dimensionen, andererseits versteht es der Regisseur, den Großteil des Schreckens im Kopf des Zuschauers entstehen zu lassen. Allzu Grauen erregende Details bleiben selbst in den härtesten Szenen des Films ausgespart. Saw erlangt seine Wirkung somit weniger aus blutrünstigem Splatter, sondern viel mehr aus der Darstellung des menschlichen und moralischen Konflikts, der Entscheidung zwischen eigenem und fremdem Leben. Die Motivation des Killers, der nicht selbst mordet, sondern dies seinen Opfern überlässt, zeigt sich hierbei sowohl einleuchtend wie auch pervers: Die Menschen sind undankbar für ihr Leben und sollen nun mit allen Mitteln zeigen, dass ihnen ihr Dasein doch noch etwas wert ist. 

Der in seiner schmutzig-düsteren Optik zu Teilen an David Finchers Erfolgsthriller Se7en erinnernde Saw hält letztendlich überdurchschnittliche, an den Nerven zerrende Unterhaltung bereit und bietet neben der durchaus originellen Grundidee ein solide bis überzeugend agierendes Darstellerensemble (besonders hervorzuheben sind hier Cary Elwes und Leigh Whannell sowie der gänzlich unaufdringlich spielende Danny Glover als alternder Cop, der die Jagd auf den Killer eröffnet). Kleinere Logikfehler im Drehbuch können angesichts der extrem spannenden Inszenierung verziehen werden. Zwar wäre es übertrieben, Wans Regieerstling als Meisterwerk zu bezeichnen (wie es doch in manch anderer Kritik dieser Tage häufig der Fall ist), allerdings zeigt Saw, wie mit wenig Geld durchweg spannendes, kompromissloses und innovatives Horrorkino produziert werden kann. Der enorme Erfolg des Films zeigte übrigens schon Wirkung: Das Sequel Saw 2 startet voraussichtlich Ende 2005 in den amerikanischen Kinos. 

Die deutsche Collector’s Edition-DVD beinhaltet neben dem ungeschnittenen Director’s Cut auch die um einige Sekunden verkürzte Kinofassung, welche hierzulande in den meisten Kinos gezeigt wurde. Außerdem enthalten sind ein informativer Audiokommentar von James Wan und Leigh Whannell, diverse Interviews mit Cast und Crew, ein Musikvideo, verschiedene Behind The Scenes-Featurettes sowie der komplette, zumindest im Film recht wirkungsvolle Soundtrack des Ex-„Nine Inch Nails“-Mitglieds Charlie Clouser auf einer Audio-CD. Verpackt ist dies alles in einem schön aufgemachten, buchförmigen DVD-Set, in das außerdem ein 32-seitiges Booklet mit zahlreichen Hintergrundinformationen integriert ist. In Sachen Bonusmaterial dürften bei Fans somit keine Wünsche offen bleiben und die Frage, welche deutsche DVD-Veröffentlichung von Saw man sich zulegen sollte, erübrigt sich.
Sebastian Schwittay, 03.07.2005


Film:                 
4 von 6 Punkten
Ausstattung:      
5 von 6 Punkten


Letzte Änderung: 26.07.2010 | Webmaster: Jonas Uchtmann | © Layout dieser Website by Adrian Werner & Jonas Uchtmann, 2002–2010.