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Konzertkritik: James Horner - A Portrait



James Horner - A Portrait
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Eine Konzertkritik von Jonas Uchtmann

James Horner gehört, obwohl er mit den Scores zu Titanic und Avatar zwei der meistverkauften Filmmusiken der Geschichte geschrieben hat, zu den nur selten konzertant gewürdigten Vertretern seines Metiers. Am 21. Januar fand in der Kölner Philharmonie mit dem WDR Rundfunkorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Niklas Willén ein Konzertabend statt, der ausschließlich Musiken des 1953 geborenen Komponisten gewirdmet war – es dürfte damit weltweit das erste seiner Art gewesen sein. Umso erfreulicher, dass es ein überaus feiner Konzertabend wurde, der selbst in seinen schwächeren Momenten noch aufschlussreich und spannend war.

Vor allem die erste Konzerthälfte war beinahe ohne Fehl und Tadel: starke Musik, auf hohem Niveau interpretiert. Die Auswahl der Filme war konzeptionell wohl durchdacht, den eher luftigen Fantasy- und Adventure-Stoffen im ersten Viertel folgte die etwas rauere Gangart des frühen Sturm-und Drang-Horner mit Batthe Beyond the Stars und einer Suite aus Star Trek II (The Wrath of Khan) und III (The Search for Spock). Die Aliens-Suite zum Wachrütteln nach der Pause darf ebenfalls noch hierzu gezählt werden, bevor mit Avatar und Titanic schließlich noch das Sentiment bedient werden musste – drei großzügig bemessene Zugaben im Anschluss („Futile Escape“ aus Aliens, außerdem Legends of the Fall und Braveheart) richteten sich wieder primär an die Fans. Konzertdramaturgisch sehr nachvollziehbare Entscheidungen also, wenngleich ich mir statt des gefälligen Willow den kantigeren Krull, statt 25 Minuten Titanic etwas mehr Star Trek (z. B. Horners Klingonenmusik) gewünscht hätte. Dass auch Brainstorm sich hervorragend gemacht hätte – ein Chor war schließlich vorhanden –, versteht sich von selbst.

Wie wirkt aber nun, das ist bei Filmmusikkonzerten entscheidend, der ganz eigene ‚sound‘ des Komponisten im großen Konzertsaal?

Um es gleich vorweg zu nehmen: insgesamt sehr gut! Ganz klar erweist sich Horner in seinen besten Momenten in punkto melodischem Einfall, formaler Geschlossenheit und instrumentatorischer Finesse auf Augenhöhe mit einem Williams oder Goldsmith. Selbst Passagen, die – als bewusstes Zitat oder aus purer Kleptomanie heraus – eigentlich aus dem stilistischen Rahmen hätten fallen müssen, sind doch meist so gekonnt dem hornerschen Gemeinstil sublimiert, dass das große Ganze nicht auseinander fällt.

Das Willow-Thema erwies sich auch im konzertanten Rahmen als Bravourstück hornerschen Eklektizismus’, ebenso reizend anzuhören war der brillant instrumentierte Rocketeer. Hinter den genannten Stücken musste The Mask of Zorro nur wenig zurückstecken, allerdings war das Tempo ein wenig lahm – der nette Gag, , dass Kastagnettenrhythmus durch die klatschenden Orchestermusiker übernommen wurde, machte dies aber schnell vergessen. Nach einer – trotz der großsinfonischen Besetzung und eines „Bravo!“-Rufes im Anschluss – auf mich etwas gebremst wirkenden Interpretation des Themas aus Batthe Beyond the Stars folgte mit Star Trek der Höhepunkt des Abends. Die Idee einer Sandwich-Suite mit dem hervorragenden „Stealing the Enterprise“-Track aus dem dritten Film, der von „Main“ und „End Title“ aus Teil 2 eingerahmt wurde, war ein gekonnter Kunstgriff. Auch erwies sich die im Vergleich zum mittelgroßen Orchester der Originaleinspielungen vergrößerte Besetzung als ein Segen, der den Detailreichtum, die eruptiven Ausbrüche und die hornertypisch stark ausgereizten Registerkontraste beider Partituren genüsslich auskostete. Nur in Nuancen gab es hier an der Interpretation etwas auszusetzen, hervorhebenswert ist vielmehr der Mut der Produzenten des Konzerts, auch Underscoring enthaltende Ausschnitte wie „Stealing the Enterprise“ ungekürzt zu spielen.

Teil Zwei des Konzerts begann ebenso stark, wie die erste Hälfte geendet hatte: Aliens gehört nicht nur zu den historisch besonders relevanten Musiken des Komponisten, sondern erweist sich auch musikalisch in der Mischung aus Atmosphärischem, Effekttexturen und Gehalt als ausgewogen und daher losgelöst vom Film tragfähig. Als Kontrast war es nun aber höchste Zeit für zwei – dank der zugehörigen Filme – einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Filmmusiken; die Rede ist natürlich von Avatar und Titanic. Hier wird man allerdings feststellen müssen, dass beide Scores ihre zumindest in kurzer Suitenform durchaus vorhandenen Reize im konzertanten Rahmen nicht entfalten können. Es handelt sich eben um reine Studiomusik, die live mit deutlichen Balance-Problemen zu kämpfen hat. Im Falle von Avatar vermochten Effekte von Chor und Schlagzeug den dünnen Satz noch passabel zu kaschieren, zumal die Auswahl der Stücke zu einer geschlossenen, wenn auch kaum repräsentativen Suite führte. Bei Titanic hingegen stimmten – neben reichlich vorhandenem musikalischem Leerlauf – die dynamischen Proportionen der cues untereinander vielfach nicht, einige auf dem Album farbig gesetzt klingende Nebenstimmen soffen vollkommen ab und insbesondere die zwei bekanntesten Tracks des Albums, „Rose“ und „My Heart Will Go On“, konnten nur bedingt überzeugen – im letzteren Fall allerdings hauptsächlich wegen einer interpretatorisch inkonsistenten sängerischen Leistung. Hier und beim tlw. von anderen Nachspielungen übernommenen Arrangement  ließe sich ohne Zweifel nachbessern.

Kaum verstecken ließ sich bei Horners größten Kassenschlagern auch die Einfallslosigkeit der meist aus percussion crashes und Füllfloskeln bestehenden Actionszenen. Dass Horner seine – aus kompositorischer Sicht nicht gänzlich unverständliche – Abneigung gegen Actionszenen seit 1990 derart zur Schau stellt, ist vorbehaltlich einiger Ausnahmen, wie eben Rocketeer und Zorro, sehr schade.

Etwas überrascht hat mich, dass dem (mindestens) dreifach besetztem Holz und Blech und immerhin sieben Schlagzeugern ein vergleichsweise kleiner Streicherkorpus gegenüberstand (als Referenz: nur vier Kontrabässe). Leider kursieren von Horner zu wenig Besetzungslisten, um nachzuvollziehen, inwiefern dies dem typischen Horner-Orchester entspricht. Im klanglichen Resultat jedenfalls gingen die Streicher selbst in lyrischeren Passagen etwas unter, was nicht der mir recht vertrauten hervorragenden Saalakustik zuzuschreiben sein dürfte. Dem Orchester gebührt insgesamt dennoch großes Lob, gerade fürs Blech und Horners geliebte Hörner glich so manche Suite einem Parforce-Ritt. Dass der Solo-Hornist bei Braveheart noch ein tadelloses Solo aus seiner ‚Wundertüte‘ gezaubert hat, spricht für das große Engagement der Musiker, und wenn beim filmsynchronen Dirigat nicht jeder hit point gelang, ist das weniger dem Dirigenten, Niklas Willén, anzukreiden (schließlich ist das WDR Rundfunkorchester ein erfahrener Studioklangkörper!), sondern wohl eher den zahlreichen Bildrucklern. Davon abgesehen war das von Frank Strobels Europäischer Filmphilharmonie geplante Konzert wie gewohnt hervorragend produziert.

Hoffen wir also in näherer Zukunft auf weitere Horner-Konzerte von ähnlichem Format in der näheren und weiteren Umgebung – letzteres auch, damit Horner-Fans wie die in der Reihe hinter mir nicht jedes Mal die lange Anreise aus Schweden in Kauf nehmen müssen. (27. 1. 2012)

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